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Freitag 27. August 2010

VDI nachrichten

 
Nur eine exzellente Mannschaft wird Weltmeister
 
Eine Umfrage unter Einkäufern im deutschen Maschinenbau liefert eine scharfe Analyse der Herausforderungen. Gleichzeitig scheint es den Einkaufsabteilungen aber nicht möglich zu sein, adäquat auf diese Herausforderungen zu reagieren. Die Gründe nennt Gerd Kerkhoff, Gründer und Geschäftsführer von Kerkhoff Consulting.
 

Das Interview führte Rudolf Schulze.

VDI nachrichten: Wieso wissen Einkäufer um die Herausforderungen, können aber nicht unbedingt adäquat reagieren?
Der Einkauf ist vor allem während der Wirtschafts- und damit Liquiditätskrise als wichtiges Management-Ressort entdeckt worden, aber häufig unterentwickelt. Ihm fehlen exzellent geschulte, moderne Einkaufs-Manager und damit die zeitlichen Ressourcen und fachlichen Kompetenzen, um pro aktiv zu agieren.

Was schließen Sie daraus, dass etwa 32 % der Maschinenbauunternehmen in Deutschland Unternehmen mehr als 1000 Lieferanten haben?
Vor allem unter den Gesichtspunkten von Rohstoffverknappung und Oligopolbildung ist es heute gut, bei wichtigen Warengruppen auf eine Mehrlieferantenstrategie zu setzen. Sonst hängen Sie am Tropf von Einzelfirmen, die dadurch eine uneingeschränkt hohe Verhandlungsmacht erhalten. Aber: In unseren Projekten sehen wir immer wieder, dass zum Beispiel verschiedene Unternehmensstandorte unterschiedliche Lieferanten für die Lieferung von gleichen Teilen nutzen. Hier muss sich ein Einkäufer stets die Frage stellen: Ist das ökonomisch sinnvoll?

Was empfehlen Sie der Firmenleitung?
Beauftragen Sie Ihre Einkäufer, Gefahren und Herausforderungen zu identifizieren und anschließend Lösungsszenarien zu entwerfen. Dazu müssen Sie auch prüfen, ob Sie die richtigen Leute für diese Aufgaben haben. Es ist wie im Fußball: Nur wer eine exzellente Mannschaft unterhält, kann auch Weltmeister werden!

Welche Tipps für mehr Einkaufseffizienz haben Sie?
Die Einkaufsabteilung sollte heute in alle Beschaffungsprozesse eines Unternehmens eingebunden sein: Sie sitzt bei großvolumigen Einmalinvestitionen ebenso wie bei der Beschaffung von Büroklammern mit am Verhandlungstisch. Sie entscheidet jedoch nicht allein, sondern stets gemeinsam mit den Fachabteilungen. Einkäufer bringen Verhandlungs- und Preiskompetenz mit, die Fachabteilungen entscheiden über die Warenqualität.

Warum ist es schlimm, wenn andere Abteilungen ohne Einbezug der Einkaufsabteilung bestellen?
Dazu ein Beispiel aus der Beratungspraxis: Zwei Abteilungen kaufen ein und dieselbe Ware ein. Vom gleichen Lieferanten. Aber: Zu einem unterschiedlichen Preis. Das hat im Unternehmen aber bisher nie jemand gemerkt, weil es gar keine Transparenz darüber gab, wer was, in welchen Mengen zu welchem Preis bestellt. Der Lieferant hat die Intransparenz ausgenutzt und verdient an einer Abteilung mehr als an der anderen. Eine Einkaufsabteilung muss sicher stellen, dass so etwas nicht passieren kann.

Aber der Vorstand kauft Beratungsleistung ohne Einkaufsabteilung ein?

Das gibt es heute fast nicht mehr. Die Entscheidung für eine Beratung wird nur noch selten ohne die betroffene Fachabteilung betroffen. In vielen Fällen sitzt der Einkauf mit am Tisch. Wir haben mehrfach den Einkauf von Beratungsleistungen unserer Kunden begleitet.

Kosten zentrale Einkaufsabteilungen nicht mehr als sie über heraus gehandelte Prozente einbringen?
Ich gebe Ihnen ein Rechenbeispiel: Nehmen Sie einen Maschinenbauer, der im Jahr 60 Mio. € umsetzt und 2 Mio. € Gewinn verbucht. Dieser Maschinenbauer kauft für 25 Mio. € Waren ein. Reduziert er seine Einkaufskosten um 10 % steigt der Gewinn damit um 2,5 Mio. € auf insgesamt 4,5 Mio. €. Um diesen Ergebnis über den Verkauf zu erzielen, müsste er bei konstant bleibenden Kosten den Umsatz um 125 % erhöhen! Sie müssen Ihre Kosten also nur um wenige Prozente senken, um Ihren Ertrag nachhaltig zu steigern!

Berater sind meist nicht sehr beliebt, weil sie mit ihren Vorschlägen für Veränderungen und Angst sorgen. Wie begegnen sie dem?
Unsere Berater geben nicht nur schlaue Tipps, sie setzen diese im Anschluss auch selbst um – und zwar gemeinsam mit den Mitarbeitern der Einkaufsabteilung. Wir bauen keine Stellen ab, wir helfen Einkäufern der Geschäftsführung gegenüber ihre Relevanz im Unternehmen zu verdeutlichen. Außerdem: Wir haben bodenständige Profis, welche die Sprache der Mittelständler nicht nur kennen, sondern selbst sprechen. Das  hilft dabei für die Projektzeit ein gemeinsames Team zu bilden.

Wie kommunizieren Sie geplante Änderungen in Unternehmen, um Ängste abzubauen?

Wir führen Änderungen nicht einfach ein, wir erarbeiten diese gemeinsam mit den Mitarbeitern im Einkauf. Dies garantiert eine hohe Nachhaltigkeit. Denn nur Veränderungen, an denen die Einkäufer selbst mitgewirkt haben, tragen sie zukünftig auch langfristig.

Was unterscheidet Sie von den großen International tätigen Beratungsunternehmen?
Wir reden nicht nur, wir handeln. Wir schaffen dadurch messbare Werte. Wir sprechen eine klar verständliche Sprache, kein Berater-Denglisch. Und nicht zuletzt: Wir sind einfach eine nette Truppe!