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Freitag 22. Oktober 2010

All about Sourcing

 
Schlafmützen geortet
 
Es wird immer wichtiger, den Einkauf in Produktion und Produktentwicklung einzubinden
 

Bei deutschen Maschinenbauern sind 47 Prozent der Einkaufsabteilungen kaum oder gar nicht in die Produktion mit eingebunden, 50 Prozent der Einkäufer sitzen nicht regelmäßig mit den Entwicklern am Tisch - und vergeben so die Chance, in der Frühphase der Produktentwicklung die kostenoptimalen Waren zu ermitteln. Damit steht der Einkauf im Maschinenbau noch immer in der zweiten Reihe. Das hat eine Studie des Kerkhoff Competencc Center of Supply Chain Management an der Universität St. Gallen, des Instituts für Demoskopie Allensbach und der VDI nachrichten ergeben. 106 Einkaufsverantwortliche von Unternehmen mit mindestens 250 Mitarbeitern oder einem Umsatz größer als 50 Millionen Euro wurden befragt.

„Der Maschinenbau hat die Entwicklung des Einkaufs verschlafen“. sagt Gerd Kerkhoff. Gründer und Geschäftsführer der Einkaufsberatung Kerkhoff Consulting. „Dafür musste er in der vergangenen Finanz- und Wirtschaftskrise schwer bezahlen, denn mit den ohnehin viel zu hohen Kosten kam ein Umsatzrückgang von mehr als 20 Prozent.“ Doch die Maschinenbauer haben erkannt, dass Handlungsbedarf besteht. 93 Prozent der Befragten geben an, dass es in Zukunft wichtiger wird, den Einkauf stärker in Produktion und Produktentwicklung einzubinden. Nur so können Einkäufer bereits in der Entwicklungsphase von Produkten die kostenoptimalen Waren identifizieren und verhandeln. Ist ein Produkt aber schon fertig konzipiert, bleibt ihnen häufig nur noch übrig, die von Ingenieuren festgelegten Waren zur benötigten Menge zu ordern - für Verhandlungen bleibt kaum noch Spielraum.
 
Nach der Studie verfügen mehr als ein Viertel aller großen Maschinenbauer mit einem Umsatz von über 100 Millionen Euro sowie mehr als ein Drittel der Unternehmen mit einem Umsatz unter 100 Millionen Euro über keine schriftlich fixierte Einkaufsstrategie. „Erklären Sie einmal einem Vertriebs- oder Produktvorstand, dass Sie ohne eine klar definierte Strategie ein Produkt am Markt platzieren wollen, sagt Kerkhoff. „Die Chance, dass Sie sich danach einen neuen Job suchen müssen, ist enorm groß. Aber im Einkauf, dem entscheidenden Ressort zur Beeinflussung der Kosten und damit des Jahresergebnisses, scheint dies für Maschinenbauer normal zu sein. Aus meiner Sicht ist das nicht nachvollziehbar.“ Der Einkauf ohne klare Strategie führt in einem Viertel der zentral beschaffenden Unternehmen dazu, dass üblicherweise an der Einkaufsabteilung vorbei eingekauft wird. Dieses so genannte „Maverick Buying“ kommt auch in 66 Prozent der dezentral organisierten Bcschaffungsorganisazionen vor. In diesen Fällen kann Einkauf seine Verhandlungskompetenz nicht einsetzen und es kann zu erheblichen Mehrkosten für das Unternehmen kommen. Auch wichtige Werkzeuge zur Sicherstellung höchster Qualität bei gleichzeitig niedrigen Kosten werden in der Maschinenbauindustrie  nur vereinzelt genutzt. Immerhin führen 42 Prozent regelmäßige Lieferantenauditierungen bei Vor-Ort-Besuchen durch. Eine systematische Qualitätskontrolle nimmt nur ein Viertel vor.

20 Prozent der befragten Unternehmen nutzen ein modernes Cost Breakdown Tool. Diese häufig IT-basierten Werkzeuge helfen Unternehmen dabei, die Kostenstruktur ihrer eingekauften Waren bis ins kleinste Detail transparent zu machen. „Wer die Kosten seiner Waren zu 100 Prozent transparent vorliegen hat, kann ganz anders mit seinen Lieferanten reden und damit in Preisverhandlungen deutlich punkten“. sagt Kerkhoff „Ich gehe davon aus, dass die vier Fünftel der deutschen Maschinenbauer, die eine solche Software noch nicht nutzen, in den nächsten Jahren nachziehen werden — wenn nie nicht einen eklatanten Wettbewerbsnachteil riskieren wollen“.