Von Britta Biron
Die gute Nachricht zuerst: Die Zeiten für Maschinenbauer werden wieder deutlich besser. Im Juli verzeichnete der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) bei den Auftragseingängen eine reale Steigerung von 48%.
Aber – und das ist die schlechte Nachricht – es verzichten offenbar viele Unternehmen auf einen Teil des Profits aus diesen Aufträgen. Das zumindest ist der Schluss, den man aus den Ergebnissen einer aktuellen Studie von Kerkhoff Consulting, dem Allensbach Institut und dem Verband Deutscher Ingenieure (VDI) ziehen muss. Denn in ihrer Einkaufspolitik agiert die Branche weitgehend konzeptlos und wirft damit – im wahrsten Sinne des Wortes – Geld beim Fabriksfenster hinaus. Und das, obwohl 85% den Preisdruck als eine der größten aktuellen Herausforderungen sehen. Mehr als ein Viertel aller großen Maschinenbauer mit einem Umsatz von über 100 Mio. € sowie mehr als ein Drittel der Unternehmen mit einem Umsatz unter 100 Mio. € verfügen dennoch über keine schriftlich fixierte und klar definierte Einkaufsstrategie.
Einkaufen ohne Plan „Erklären Sie einmal einen Vertriebs- oder Produktvorstand, dass Sie ohne klar definierte Strategie ein Produkt am Markt platzieren wollen“, so Gerd Kerkhoff, Gründer und GF der Einkaufsberatung Kerkhoff Consulting. „Die Chance, dass Sie sich danach einen neuen Job suchen müssen, ist enorm groß. Aber im Einkauf, dem entscheidenden Ressort zur Beeinflussung der Kosten und damit des Jahresergebnisses, scheint dies für Maschinenbauer normal zu sein.“
Immerhin dürften die Maschinenbauer den dringenden Handlungsbedarf bereits erkannt haben. Denn 93% der Befragten sind nach eigenen Angaben überzeugt, dass der Einkauf in Zukunft stärker in die Prozesse der Produktion und Produktentwicklung eingebunden werden müsse. Denn nur so können bereits in der Entwicklungsphase die kostenoptimalen Waren identifiziert und entsprechend mit Lieferanten verhandelt werden.
„Gerade die Automobilindustrie hat in den vergangenen Jahren vorgemacht, wie man seinen Einkauf professionell aufstellt und damit das Unternehmensergebnis nachhaltig verbessert. Der Maschinenbau sollte, gerade nach der Liquiditätskrise, endlich damit beginnen, dem Einkauf die Aufmerksamkeit zu schenken, die er verdient“, so Kerkhoff. Etwa durch den Einsatz eines modernen „Cost Breakdown Tools“, mit dem die Kostenstruktur aller eingekauften Waren bis ins kleinste Detail transparent gemacht wird. Das nutzt allerdings erst rund ein Viertel der Unternehmen. Wer hier nicht in den nächsten Jahren nachzieht, so ist Kerkhoff überzeugt, riskiert viel. „Wer die Kosten seiner Waren zu 100 Prozent transparent vor sich liegen hat, kann ganz anders mit seinen Lieferanten reden und damit in Preisverhandlungen deutlich punkten“, sagt Kerkhoff. |