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| Beschaffer bauen auf Expertise im Netz |
| Können Web-Plattformen den klassisicehn Einkaufsberater verdrängen? Die Debatte kommt in Gang |
Lars Reppesgaard Im August ging die Horizon-Plattform online. Hier sollen Mitarbeiter von Einkaufsabteilungen so viel Know-how abrufen können, dass sie keine Consultants mehr engagieren müssen, um Wartungsleistungen für Fahrstühle, die Produktion eines TV-Spots oder eine Putzkolonne einzukaufen. Becker zählt bislang zwei Internetkunden. Digitale Werkzeuge erleichtern heute vielen Einkaufsabteilungen die Arbeit: „Der Aufwand hat sich im Einkauf durch IT-Tools sehr minimieren lassen“, sagt Oliver Kreienbrink, Bereichsleiter bei der Unternehmensberatung Kerkhoff Consulting. „Bei allem, was nicht direkt zur Kernwertschöpfung gehört, sind die Prozesse bereits sehr schlank.“ Geordert wird längst online Dass Beschaffungslösungsanbieter wie Onventis alle Schritte vom Bestellen bis zum Einkaufscontrolling unterstützen, ist schon ebenso selbstverständlich wie der Einsatz von Sourcing-Software von Anbietern wie Ariba, die bei der Lieferantenauswahl helfen. Geordert werden dabei längst nicht mehr nur Bürobedarf und Standard-Maschinenteile. Marktplätze wie Techpilot vernetzen Kunden inzwischen digital sogar mit Einzelfertigern. Hans Becker Horizon will die Palette der digitalen Einkaufswerkzeuge nun um eine weitere Facette ergänzen: Mit virtueller Beratung über die Plattform will er Consultants ersetzen, die im Nadelstreifenanzug durch die Republik rasen. Einkäufer können sich dort durch Kategorien wie Logistik oder Facility- Management klicken, Auskünfte über Kostenbereiche wie Fernwärme, Aufzüge oder Sanitär erhalten und – angefüttert mit Praxistipps – eigene Ausschreibungen starten. Die Kunden holen sich im Internet Projektpläne und den Hinweis auf die Verfahrensweise. Die Berater helfen nur im Notfall per Mail oder Telefon. Falls die Arbeit mit der virtuellen Beratung funktioniert, können die Auftraggeber einiges sparen. Jahresgebühren von 3000 Euro bis 5000 Euro sollen die üppigen Beratertagessätze ersetzen. Für Becker, der seine Beratung vor 20 Jahren gründete, hätte dieses Modell trotzdem Vorteile: In den letzten Jahren haben viele Unternehmen ihre Einkaufsabteilungen aufgestockt – was auch heißt, dass sie weniger bereit sind, zusätzlich noch Berater zu engagieren. „Also brauchten wir eine neue Art und Weise, wie wir unser Know-how zur Verfügung stellen können“, sagt Becker. Dass dieses Wissen auch weiterhin gefragt ist, ist für ihn unstrittig. „Kein Unternehmenseinkäufer kann Detailkenntnisse für 50 so unterschiedliche Kostenbereiche wie etwa die Wartungsleistungen für Aufzüge und Bleistifte gleichzeitig haben.“ Ob derartige Angebote sich durchsetzen werden, ist fraglich. Zwar sehen Fachleute einen gewissen Nutzen darin, Unternehmenseinkäufern Informationen für ihre Arbeit zentral an virtuellen Anlaufpunkten bereitzustellen. „Ein Einkäufer hat laufend seine Märkte zu analysieren. Dazu gehört auch, Informationsplattformen als ein Hilfsmittel auf möglichen Nutzwert hin zu checken“, sagt Holger Hildebrandt, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik. Aber: Ausschreibungs- und Informationsplattformen für Einkäufer gibt es viele – von supply-markets. de und Crealogix Ceps bis hin zu Xing-Gruppen oder Fachseiten im Portal Competence-Site.de. Auch spezialisierte soziale Netzwerke wie das forumbeschaffung.de für Einkäufer in der freien Wirtschaft oder beschaffernetzwerk. de für Einkäufer der öffentlichen Hand haben sich zu attraktiven Informationsbörsen entwickelt. Nutzer können dort eigene Profile anlegen und sich mit Kollegen über Fachthemen austauschen. Aber können eine Software oder ein Webportal, wie Becker es selbstbewusst verspricht, reale Berater wirklich überflüssig machen? Kerkhoff-Berater Kreienbrink winkt ab: „Keine Software, egal wie gut sie gemacht ist, kann den Austausch zwischen Einkäufer und Consultants voll ersetzen“, sagt er. Es zählt Verhandlungsgeschick Auch Ronald Bogaschewsky, Inhaber des Lehrstuhls für BWL und Industriebetriebslehre an der Universität Würzburg, ist skeptisch. „Die mit wichtigsten Aufgaben des Einkaufs sind das Lieferantenmanagement und das Erschließen und Nutzbarmachen weltweiter Beschaffungsquellen“, sagt der Professor. „Beides hat sehr viel mehr mit Menschenkenntnis, sozialen Fähigkeiten, Beziehungsmanagement, Verhandlungsgeschick und Ähnlichem zu tun als mit Tools und Techniken, die man aus Büchern lernen kann.“ |


