August 2010: Lieferantenbewertungen sind ein Baustein für die Steuerung von Lieferanten? Mit wie vielen Kennzahlen bewerten Sie Ihre Lieferanten?

„Unsere Lieferanten sind so flexibel, die kann ich auch am Samstag anrufen und die liefern.“ Jeder kennt diese Aussage, vom zuständigen Einkäufer oder auch Einkaufsleiter. Doch diese Lieferflexibilität sollte nicht das alleinige Kriterium bei der Auswahl eines Lieferanten sein. Denn schaut man sich dazu andere Kennzahlen an, fallen häufig diese flexiblen Lieferanten negativ auf. Besonders deutlich wird dies beim OTIF-Prozentsatz (On Time In Full). Dieser beschreibt die Liefererfüllung zum vereinbarten Termin in der vereinbarten Menge an den Kunden. Ein OTIF von 100 Prozent bedeutet also, dass alle Aufträge von der Prozesskette entsprechend Kundenwunsch innerhalb der Zeit und in gewünschter Menge ausgeliefert worden sind.

Viele Unternehmen schrecken vor umfangreichen und detaillierten Lieferantenbewertungen zurück, da sie scheinbar zu viel Zeit kosten und keinen direkten Ertrag bringen. Auch unsere Umfrage des Monats spiegelt dies wider. Sie wurden gefragt, ob fünf Kennzahlen ausreichen oder ob es doch mehr als zehn sein sollten. Wie sich zeigt, nutzt fast die Hälfte der Befragten sogar weniger als fünf Kennzahlen, um ihre Lieferanten zu bewerten. Weniger als ein Drittel der Umfrageteilnehmer zieht mehr als zehn Kennzahlen heran.

Dabei sollten Lieferantenbewertungen regelmäßig und mit ausreichend Kennzahlen erfolgen, damit der Einkauf operativ wie strategisch optimal aufgestellt ist. Ein Controlling von bestehenden Lieferanten und auch eine Bewertung bei der Auswahl von neuen Lieferanten ist unabdingbar, da bei allen Belieferungen, besonders aber bei Just-in-Time-Belieferungen nur minimale Toleranzen für zu montierende Produkte eine Komplexität in einer Kunden-Lieferanten-Beziehung erzeugt, die nicht einfach zu steuern ist.

Bewertungsgesichtspunkte sind vor allem Zuverlässigkeit in qualitativer, quantitativer und terminlicher Hinsicht. Aber zum Beispiel auch Innovationsfähigkeit und Ökologie der Lieferanten. Die Bewertungen sollten im Hinblick auf die Auswahl der Kennzahlen auf das Unternehmen zugeschnitten werden. Sind sie einmal erfolgreich implementiert und automatisiert, dann kosten sie nur noch wenig Zeit und bieten eine hervorragende Grundlage, um einfach und effizient Schwachstellen in der Supply Chain zu erkennen. Im Idealfall sollten  sie in Kooperation mit dem Lieferanten erfolgen, denn auch diesem dienen diese Bewertungen, da sie ihm Transparenz über seine erbrachte Leistung bringen und es ihm damit ermöglichen, entsprechende Maßnahmen zur Optimierung einzuleiten.