Oktober 2010: Wie sehr sind politische und rechtliche Rahmenbedingungen eine operative Belastung bei Ihrer täglichen Arbeit?
Einfach nur ein Produkt einzukaufen, ist heute nicht mehr möglich. Rechtliche Vorgaben bezüglich Sicherheit, Zollbestimmungen, Einfuhrbestimmungen oder Gewährleistung sowie politische und soziale Vorgaben aus den Bereichen Umwelt, Familie oder soziale Standards müssen beim Einkauf beachtet werden.
Dabei gilt es, diese Vorgaben entlang der gesamten Supply Chain zu beachten: Von der Auswahl der Lieferanten über die Vorgaben an einzelne Artikel bis hin zu zu erfüllenden Standards oder Prüfsiegeln.
Besonders in der Lebensmittelindustrie ist es heute notwendig, dass ein einzukaufendes Produkt verschiedenste Tests und Prüfsiegel vorweisen muss, damit es in Deutschland weiterverarbeitet werden darf. Soll dann zum Beispiel eine Paprika in verschiedenen Produkten verarbeitet werden, kann es sogar vorkommen, dass für eine Paprika für jeden Einzelhändler ein eigenes Prüfsiegel benötigt wird.
Die Komplexität für den Einkauf und das Risiko bei Nichtbeachtung ist durch die rechtlichen und politischen Vorgaben in den letzten Jahren kontinuierlich angestiegen.
29,4% der Teilnehmer unserer November-Umfrage antworteten auf die Frage „Wie sehr sind politische und rechtliche Rahmenbedingungen eine operative Belastung bei Ihrer täglichen Arbeit?“ mit „Gar nicht“. Diese Antwort ist einerseits überraschend, erklärt sich aber sicherlich dadurch, dass in vielen Bereichen bereits die Lieferanten für eine Vorselektierung und Absicherung sorgen.
Leider verlassen sich viele Einkäufer blind darauf, dass Lieferanten alle rechtlichen und politischen Rahmenbedingungen beachten. Die Imageschäden bei Nichtbeachtung werden für das Unternehmen allerdings immer mehr zu einem Risiko und im Besonderen für die Einkaufsabteilungen.

