September 2010: Wie viele Tage finanziert Ihr Unternehmen das Produktionsmaterial bevor Ihre Kunden zahlen?

Der Cash-to-Cash Cycle bzw. die Kapitalbindungsdauer definiert den Zeitraum zwischen der Bezahlung des Lieferanten bis zum Geldeingang des Kunden, also die Zeit, in der ein Unternehmen Rohstoffe, Halbfertigprodukte oder Fertigprodukte im eigenen Besitz hat. Die Dauer der Kapitalbindung ist ein Faktor, der die Liquidität eines Unternehmens maßgeblich beeinflusst. Je kürzer der Cash-to-cash Cycle, desto kürzer ist das Kapital gebunden und desto mehr Liquidität steht dem Unternehmen effektiv zur Verfügung.

Mathematisch setzt sich die Cash-to-Cash Zeit zusammen aus der Zeit in der eigenen Wertschöpfung plus die Zeit zwischen Verkauf und Geldeingang des Kunden minus der Zeit zwischen Lieferung und Bezahlung des Lieferanten.

Ein Beispiel: die Herstellung von Pommes Frites. Geliefert werden die Kartoffeln mit einem Zahlungsziel von 30 Tagen, die Produktion dauert ab Einlieferung 4 Tage und der Kunde zahlt mit einem Zahlungsziel von 60 Tagen. Die Cash-to-Cash Zeit beträgt also 34 Tage, d.h. 34 Tage muss vom Produzenten finanziert werden, denn in dieser Zeit ist das Kapital gebunden.

Einige Unternehmen können sogar einen negativen Cash-to-Cash Cycle erreichen, z.B. Computerhersteller mit Online-Vertrieb wie Dell. Aufgrund des Zahlungszieles bei ihren Lieferanten, einer kurzen Produktionszeit und sofortiger Bezahlung durch die Kunden, werden die Lieferanten erst nach Eingang des Geldes der Kunden bezahlt. Auf der anderen Seite steht zum Beispiel die Forstwirtschaft, die aufgrund des langen Produktionszeitraums von mehreren Jahren einen sehr langen Cash-to-Cash Cycle aufweist.

Wie unsere Umfrage des Monats zeigt, müssen fast drei Viertel der Befragten ihre Ware länger als 10 Tage finanzieren. Durch die Synchronisation von Zahlungsbedingungen auf Einkaufs- und Verkaufsseite und die Optimierung der Verarbeitungszeit in der eigenen Produktion kann die Zeit, in der das Kapital gebunden ist, signifikant gesenkt werden, wie bei den gut 27 Prozent der Befragten, die angeben, ihre Waren weniger als 10 Tage finanzieren zu müssen. Viele Unternehmen schaffen es jedoch nicht, die Zahlungsbedingungen im Einkauf und im Vertrieb zu synchronisieren, beispielsweise aufgrund der Marktmacht der Kunden, und müssen daher sehr lange die benötigten Waren finanzieren. Hier gilt es, auf Lieferantenseite die Zahlungsbedingungen anzupassen sowie Bestände und Prozesse in der Produktion zu optimieren, um die Cash-to-Cash Zeit zu verkürzen.