Die Nachricht ließ im Februar dieses Jahres aufhorchen: Nach Berechnungen des Bundesverbandes Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik sind die Einkaufspreise für Unternehmen so hoch wie nie zuvor. Schuld waren vor allem die Preise für Rohstoffe und Halbwaren. Zwischen 2005 und 2010 stiegen sie durchschnittlich um 42,4 Prozent. Die Verteuerungen zu bekämpfen und die günstigsten Preise herauszuholen, darauf haben sich Einkaufsberater für Unternehmen spezialisiert. Sie haben sich erst in den vergangenen zehn Jahren etabliert – liefern aber beeindruckende Ergebnisse: Nach Schätzung von Dietmar Fink, Professor für Unternehmensberatung an der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg, sind „bis zu 15 Prozent Optimierung beim Einkauf drin.“ Für große Unternehmen könne das leicht eine Ersparnis von zweistelligen Millionenbeträgen bringen.
Wegen der immer stärkeren Verflechtung der weltweiten Warenströme wächst die Nachfrage nach Beratungsleistungen im Einkaufsbereich enorm. Erfolgreich sind vor allem spezialisierte Unternehmen, die auf das Know-how von Beratern mit Vorerfahrung aus verschiedenen Branchen setzen. Einer der ersten Berater, der sich in Deutschland auf Einkaufsberatung konzentriert hat, ist Kerkhoff Consulting aus Düsseldorf mit rund 220 Mitarbeitern in zehn Ländern.
Ein Weg zur Kostenreduktion kann beispielsweise die Neuanordnung der Warengruppen eines Klienten sein – dazu stellen die Berater ganz grundsätzliche Fragen: Was und wie viel wird für welche Produkte benötigt, welche Mengen müssen vorgehalten werden, wer liefert zuverlässig und günstig, wie lässt sich Beschaffung bündeln? Außerdem sorgen die externen Spezialisten für professionelle Ausschreibungen und verhandeln für ihre Kunden mit Lieferanten. „Am Ende“, sagt Gerd Kerkhoff, Gründer und Vorsitzender der Geschäftsführung, „kaufen unsere Kunden durchschnittlich zehn Prozent günstiger ein. Bei Dienstleistungsunternehmen wie Banken und Versicherungen sind es sogar schnell mal 15 bis 20 Prozent. Diese Firmen wissen oft gar nicht, wie viel sie einkaufen.“ Und welche Rabatte drin sind.
Mit „mindestens zehn Prozent im indirekten Bereich“ beziffert auch der Geschäftsführer der Einkaufsberatung a.m.consult aus Bonn, Joachim von Lüninck, das Sparpotenzial. „Indirekter Bereich“ sind etwa Kosten für Logistik, IT oder Forschung. Neben der Kostenreduktion, „wollen unsere Klienten sichergehen, dass ihre Lieferanten Umwelt- und Sozialstandards sowie Richtlinien gegen Korruption einhalten“, sagt Lüninck. Auch beim Risikomanagement, um Lieferausfällen vorzubeugen, hilft der Einkaufsberater.
Um passende Lösungen zu erarbeiten, muss er die Eigenheiten der Branche seines jeweiligen Klienten kennen. Deshalb arbeiten bei Kerkhoff neben Betriebs- und Volkswirten sowie Wirtschaftsingenieuren auch Absolventen von Studiengängen, die nicht klassischerweise in die Beratung führen. So etwa etwa Ärzte als Einkaufsberater in der Medizintechnikbranche. Als Quereinsteiger sind für a.m.consult „insbesondere Wirtschaftsingenieure mit Erfahrung in der Industrie attraktiv“, sagt von Lüninck.
Immer mehr neue Mitarbeiter in der Einkaufsberatung kommen aber auch aus großen Unternehmen wie Siemens oder Metro. Falls sie einige Jahre Berufserfahrung haben und bei ihrem ehemaligen Arbeitgeber eine gehobene Position wie Senior Einkäufer oder Lieferketten-Manager innehatten, fangen sie bei Kerkhoff Consulting in der Regel ebenfalls als Senior-Berater oder Projektleiter an. Führungskräfte können je nach Qualifikation auch gleich als Partner beginnen. Allerdings ist nicht jeder sehr gute Einkäufer auch automatisch ein sehr guter Einkaufsberater, sagt Gerd Kerkhoff: „Als Einkäufer kenne ich nur Lieferanten, als Berater habe ich plötzlich Kunden – und muss mein Verhalten grundlegend ändern. Deswegen achten wir bei Neueinstellungen darauf, wer aus unserer Sicht ein guter Berater werden könnte, und wer dagegen im operativen Geschäft am besten aufgehoben ist.“ Quereinsteiger mit Berufserfahrung bekommen als Berater ein Festgehalt zwischen 60000 und 80000 Euro, plus erfolgsabhängiger variabler Vergütung. |