Von 106 befragten Einkaufsleitern halten 43 % die getroffenen Vorkehrungen, um zukünftigen Herausforderungen zu begegnen, für nicht ausreichend. In Unternehmen mit einem Jahresumsatz unter 100 Mio. € vertreten sogar 51 % diese Ansicht. Grundlegenden Änderungsbedarf in ihren Abteilungen sehen 29 % der Einkaufsverantwortlichen, weitere 67 % gehen davon aus, dass kleinere notwendig sind.
Diese Ergebnisse zeigt die Studie „Strategische Herausforderungen für den Einkauf in der Maschinenbauindustrie in Deutschland“. Das Institut für Demoskopie Allensbach und die Universität St. Gallen befragten im Auftrag der Düsseldorfer Unternehmensberatung Kerkhoff Consulting im Juni 106 Einkaufsverantwortliche in Maschinenbaufirmen mit mindestens 250 Beschäftigten oder mehr als 50 Mio. € Jahresumsatz. „Die Relevanz des Einkaufs ist vielen Unternehmen erst in der Wirtschaftskrise so richtig bewusst geworden. Da musste plötzlich jeder Cent zweimal umgedreht werden“, sagt Gerd Kerkhoff, Gründer und Geschäftsführer von Kerkhoff Consulting. „Einkaufsabteilungen sind in der Vergangenheit häufig stiefmütterlich behandelt worden, darum fehlen gut ausgebildete Mitarbeiter, die den Einkauf strategisch steuern können. So können Unternehmen zwar eine Analyse der Herausforderungen abgeben, aber nicht adäquat reagieren.“
Leiter von Einkaufsabteilungen in großen Unternehmen nennen die Globalisierung und Internationalisierung des Einkaufs als besondere Herausforderung. In Unternehmen mit einem Jahresumsatz unter 100 Mio. € interpretieren die Manager als die wichtigsten zukünftigen Herausforderungen vor allem die Notwendigkeit, sich auf den Märkten zu behaupten, sei es auf den Beschaffungsmärkten, sei es auf den Absatzmärkten.
Gut jedes vierte Unternehmen hat keine schriftlich fixierte Strategie für die Beschaffung (27 %), von den weniger großen Unternehmen mit einem Jahresumsatz von unter 100 Mio. € fehlt diese sogar bei rund jedem Dritten (35 %). Kerkhoff: „Für jeden Produktstart gibt es eine Marketing-Strategie. Warum ist man der Ansicht, Beschaffung wäre weniger komplex?“
Um die Qualität im Einkauf sicherzustellen, setzen große Maschinenbauunternehmen – neben einer üblichen kurzen Sichtkontrolle beim Wareneingang – vor allem auf Lieferantenbesuche und -audits. 42 % der Einkaufsverantwortlichen äußern sich spontan in diesem Sinn. Ein Viertel der Einkäufer nennt weitere Qualitätskontrollen, 14 % spezielle, fertigungsbegleitende Kontrollen. Jedes zehnte Unternehmen nutzt Zertifikate der Lieferanten. „Der Einkauf kann die Qualitätskriterien nicht selbst festlegen, dies muss in den Fachabteilungen geschehen“, sagt Kerkhoff. „Aber er muss diese Kriterien stets überprüfen, gerade wenn er in Märkten wie Asien oder Südamerika einkauft.“
Um im Einkauf die Kostenziele zu erreichen, setzen sehr große Unternehmen mit einem Jahresumsatz von 100 Mio. € und mehr auf Wert- und Bestandsanalysen und darauf, den Lieferanten Kostensenkungsziele vorzugeben, hingegen verhandeln Einkäufer in Unternehmen mit einem Jahresumsatz von unter 100 Mio. € häufiger bestehende Verträge nach. Ein „Cost Breakdown Tool“, eine Software mit der die Kosten eines Zulieferteils auf Basis seiner Einzelteile kalkuliert und so die vom Lieferanten geforderten Preise überprüft werden können, steht nur jeder fünften Einkaufsabteilung zur Verfügung (20 %). Gerd Kerkhoff: „Die wenigen Unternehmen mit einem solchen Tool können wesentliche effizientere Verhandlungen mit ihren Lieferanten führen und erhalten dadurch einen entscheidenden Vorteil gegenüber ihrem Wettbewerb. Die Einführung von einer professionellen Cost Breakdown-Software ist aus unserer Sicht einer der wichtigsten Trends in den nächsten Jahren.“
Kooperationen mit anderen Unternehmen in der Beschaffung scheinen in der Maschinenbauindustrie nicht weit verbreitet. Nur 14 % der großen Unternehmen arbeiten beim Einkauf mit anderen Unternehmen „eng“ oder „sehr eng“ zusammen, z. B. in dem sie Einkaufskooperationen bilden. Wenn es speziell um Transport und Logistik geht, ist die Quote kooperierender Unternehmen noch geringer. Hier arbeitet nur jedes zehnte Unternehmen „eng“ oder „sehr eng“ mit anderen zusammen, 72 % „kaum oder gar nicht“. |